Die Sterne des Abd ar-Rahman as-Sufi / Gotthard Strohmaier

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Beschreibung

Ausgabe: Gebunden, 109 Seiten

Verlag: Gustav Kiepenheuer,1984, Erstausgabe

Sprache: Deutsch

Zustand: gebraucht, sehr gut

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Mit 48 Miniaturen einer Pergament-Handschrift der Forschungsbibliothek Gotha.

»Wenn das Gestirn der Pleiaden, der Atlastöchter, emporsteigt, / Dann beginne die Ernte, doch pflüge, wenn sie hinabgehn; / Sie sind vierzig Nächte und vierzig Tage beisammen / Eingehüllt, doch wenn sie wieder im kreisenden Jahre / Leuchtend erscheinen, erst dann beginne die Sichel zu wetzen...«

So beschreibt Hesiod in seinem Lehrgedicht »Werke und Tage« um 700 v.u.Z. den Terminkalender des Bauern in seiner Zeit, und er schöpfte sein Wissen zweifelsohne aus der bäuerlichen Praxis. Und in Homers Epen »Ilias« und »Odyssee« können wir an verschiedenen Textstellen über die Sterne als Wegweiser der griechischen Seefahrer nachlesen. Die Bedeutung der Sterne für den Menschen des Altertums ließe sich an weiteren Beispielen belegen. Seit Urzeiten haben sie das erwachende Denken der Menschheit beschäftigt. Umrißlinien wurden in sie hineingesehen, die so entstandenen Sternbilder waren stets ein getreues Spiegelbild irdischer Verhältnisse und der jeweils erreichten Kulturstufe.

Sagen und Mythen, die von Land zu Land und von Volk zu Volk wiederum sehr verschieden waren, mussten den erhabenen Platz am Himmel begründen. Jedoch ist keine der so entstandenen Figuren so eindeutig, daß man nicht mit der gleichen Anstrengung der Phantasie irgend etwas anderes in sie hineinlesen könnte. Wo wir den Großen Bären oder aber den Großen Wagen zu sehen gewohnt sind, erblickten die alten Ägypter einen Stierschenkel, die Römer sieben Ochsen, die Chinesen eine Wurfschaufel, die Bewohner des Malaiischen Archipels den Unterkiefer eines Schweins oder ein beladenes Boot. Die hier vereinten prachtvollen Miniaturen einer Pergamenthandschrift der Forschungsbibliothek Gotha geben dafür ein Beispiel.

Sie sind eine im 15. Jahrhundert nach europäischem Geschmack gestaltete Kopie einer Bildserie, die der muslimische Astronom Abd ar-Rahman as-Sufi um das Jahr 965 seiner Beschreibung der Fixsterne beigefügt hatte. Er hielt sich dabei an den »Almagest« seines griechischen Vorgängers Ptolemaios und an die Zeichnungen auf Himmelsgloben, die ebenfalls auf die Antike zurückgingen. Deren Gestalten waren eng mit der griechischen Mythologie verbunden, zum Teil aber entstammten sie der älteren babylonischen Sternkunde. Und so folgt auch der Arabist Gotthard Strohmaier in seinen den Sternbildern beigegebenen kulturhistorisch reizvollen Betrachtungen insbesondere der griechischen Mythenüberlieferung, da uns die Araber derartige Zeugnisse nicht hinterlassen haben.