Wir dürfen nicht schweigen / Heinrich Albertz

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Beschreibung

Ausgabe: Gebunden, 207 Seiten

Verlag: Kindler, 1993

Sprache: Deutsch

ISBN-13:‎ 978-3463402130

ISBN-10: 3463402130

Zustand: gebraucht, gut, Namensaufkleber auf dem fliegenden Blatt, wenige Eintragungen mit Bleistift

Hinweis: Beachten Sie bitte die Zustandsklassifizierung.


Inhalt:

Wir dürfen nicht schweigen -- und schweigen, das tut er ganz bestimmt nicht, schon gar nicht in politisch schwierigen Zeiten. Heinrich Albertz hat sich Zeit seines Lebens zu Wort gemeldet und dabei auch unangenehme Positionen vertreten. In den vergangenen Jahren, als er im verdienten Ruhestand mehr Zeit zu Reflexionen hatte, sind mehrere Bücher mit autobiographischen Notizen von ihm erschienen. In ihnen hat er seine Zeit als regierender Bürgermeister von Berlin beschrieben, seine nicht unproblematische Rolle beim Tod von Benno Ohnesorg und seinen Flug nach Aden als Geisel der RAF.

Das neue Buch ist ein politisches Gespräch mit dem Fernsehjournalisten Wolfgang Herles. Vielen ist er durch die Sendung Streitfall bzw. als Moderator der Talkshow Live bekannt. Ihr Thema ist, wie kann es anders sein, das wiedervereinigte Deutschland mit allen daraus resultierenden Problemen. Natürlich sprechen sie über die Stasi und den Fall Stolpe. Interessant daran ist, daß Heinrich Albertz Herrn Stolpe in seiner Funktion als Pfarrer in der früheren DDR erlebte und darüber aus seiner Sicht berichtet. Auch mit Willy Brandt hat er zusammengearbeitet, dessen Begräbnis er kritisch nachbetrachtet. Resignieren läßt ihn der Tod von Petra Kelly und Gert Bastian, die er als liebenswürdige Menschen kennengelernt hat.

Der spannendste Teil der Unterhaltung besteht darin, daß die beiden Gesprächspartner weder in den sattsam bekannten Wiedervereinigungs-Jubel einstimmen, noch über die derzeitig hohe Schuldenlast klagen, sondern unter "Was wäre wenn?"-Gesichtspunkten eine völlig andere Art der Zusammenführung beider deutscher Staaten durchspielen. Doch nicht nur die Bonner Politiker, nein, auch unsere ostdeutschen Mitbürger erregen den Zorn von Heinrich Albertz. Obwohl er aufgrund seiner Biographie ganz sicher kein Ossi-Feind ist, macht er in drastischen Worten deutlich, daß es nun daraufankomme, daß sie ihre Erwartungshaltung gegenüber dem Westen revidierten und versuchten, so schnell wie möglich selber auf die Beine zu kommen. Er scheut sich nicht, für uns alle unangenehme Wahrheiten beim Namen zu nennen. Seine Erfahrungen in der Vergangenheit benutzt er immer wieder, um deutlich zu machen, daß die momentane Lage sicher schwierig, doch keineswegs aussichtslos oder gar chancenlos ist.

Zum Thema Asyl und den "Das Boot ist voll"-Parolen erinnert Heinrich Albertz an das Grundgesetz und den Artikel 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." In den Köpfen der Zeitgenossen laute der Satz häufig so: "Die Würde des Deutschen ist unantastbar." Die Änderung des Artikel 1 hat aber noch keiner bislang vorgeschlagen. Den letzten Teil des Gespräches, das vom 19. bis 30. Oktober 1992 geführt wurde, bilden einige Gedanken zum Sterben, die sich der 1915 in Breslau geborene Pfarrer gemacht hat.

Das Beeindruckende dieses Buches ist die schonungslose Offenheit und eine ungewöhnliche Ehrlichkeit. Ein solches Format haben heute nur noch ganz wenige, leider. --Manuela Haselberger

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